Kindheit zwischen Hufschlag und Stallgasse

Dank meinen Eltern hatte ich das Glück, schon als Kind mit Pferden aufzuwachsen. Reiten? Fand ich anfangs nicht so toll. Mit 9 Jahren bin ich innerhalb von fünf Wochen gleich viermal runtergefallen. Also: Reiten gestrichen. Dafür Umgang mit den Pferden – und das war Gold wert. Gemeinsam mit anderen Kindern habe ich eine wundervolle Kindheit und Jugend verbracht. Wir haben gepflegt, gefegt, gelacht und gelernt.

Arlette, die sanfte Lehrmeisterin

In den Reitstunden bekam ich Arlette – die älteste Stute im Stall. Auf ihr musste man nicht mehr viel machen. Schon gar keinen Galopp. Aber sie war geduldig, ruhig und genau richtig für mich.

Jupiter und die 100 Runden

Eines Tages liebäugelten meine Eltern mit dem Kauf von Jupiter – einem ehemaligen Rennpferd aus Frankreich. Sie probierten ihn aus, und ich durfte mutig aufsitzen. Mein Vater fragte: „Willst du galoppieren?“ So richtig wollte ich nicht. Aber na gut.

Blöd nur: Jupiter hatte keine Bremse. Wir drehten unsere Runden. Und drehten. Und drehten. Unerschrockene Männer stellten sich in den Weg – sprangen im letzten Moment zur Seite. Verständlich, wenn so ein grosses Tier auf einen zurennt.

Ich hatte gefühlt 100 Runden hinter mir. Und befürchtete weitere 100. Ob ich Angst hatte? Keine Ahnung. Aber ich hatte keine Lust mehr, auf Rettung zu warten.

Unser erstes Pferd Jupiter
Unser erstes Pferd Jupiter bleibt unvergessen.

Der Moment der Entscheidung

Ich habe mich entschieden: Ich verlasse den Rücken des Pferdes. Ich habe mich zu Boden geworfen. Bäuchlings im Hallendreck – damals eine Mischung aus Torf und Leder – mit Nase und Mund voll davon.

Und genau in diesem Moment habe ich etwas Wichtiges erkannt: Ich kann immer etwas tun. Ich muss mich nichts und niemandem aussetzen. Ich kann für mich einstehen. Ich bin selbstwirksam.

Danke, Jupiter

Vielen Dank, Jupiter. Du hast mir eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens beigebracht. Nicht durch Worte. Sondern durch Erfahrung, Bewegung und ein bisschen Hallendreck.

Und du?

Wann hast du zuletzt gespürt, dass du selbstwirksam bist? Dass du nicht warten musst, bis jemand dich rettet? Dass du entscheiden darfst – für dich, für deinen Weg, für dein Leben?

Ich bin neugierig. Schreib mir. Oder komm vorbei – wir steigen gemeinsam ab, auf und weiter. Mit Herz, Huf und Haltung.

Selbstwirksamkeit erleben – Danke Jupiter

Ein Gedanke zu „Selbstwirksamkeit erleben – Danke Jupiter

  • April 17, 2024 um 5:45 p.m. Uhr
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    Hoi Pascale
    Habe gerne wieder von Jupi gehört. Das waren noch Zeiten im Stall Balsiger!?
    Gruss vom Hallwilersee

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